„Fotorallye“ als medienpädagogisches Angebot

Die 3. und 4. Ganztagesklasse hatte vor den Pfingstferien in ihrer Mittagszeit als Alternative zur freien Spielzeit ein besonderes Angebot: Eine Fotorallye.
An zwei Projekttagen wurden jeweils zwei Kindergruppen mit Polaroidkameras losgeschickt, um 24 Fotoaufträge zu erfüllen. Die Aufgaben waren so gestaltet, dass die Mädchen und Jungen sowohl Gegenstände als auch Personen oder Körperteile (wie z.B. Füße) fotografieren sollten. Alle 18 Teilnehmenden hatten große Freude am Fotografieren und Begutachten der entstandenen Bilder.
Nach einer Woche betrachteten die Kinder die Bilder erneut. Nun fanden sie die Qualität der Bilder teilweise nicht mehr gut genug oder es wurden inzwischen bessere Motive ausfindig gemacht. Dies durften sie schließlich korrigieren und neue Bilder schießen.
Nachdem allen mitgeteilt wurde, dass die Bilder nun an die „Schulhaus-Pinnwand“ des Ganztags ausgestellt werden sollen, konnten die Fotografen und abgebildeten Kinder selbst entscheiden, welche Fotos veröffentlicht werden dürfen und welche nicht.
Es entwickelte sich eine vollkommen neue Betrachtungsweise und die Kinder begannen zu diskutieren, warum das eine Bild an die Pinnwand soll und ein andere nicht. Den Mädchen und Jungen wurde plötzlich bewusst, dass sie z.B. ihre Füße doch als „Privatsphäre“ sehen und besser nicht von allen anderen betrachtet werden sollen.
Interessanterweise ist hier aufgefallen, dass die Kinder aus der 3. und 4. Klasse sehr viel offener mit dem Veröffentlichen von Fotos mit ihnen als Motiv umgehen und auch größerer Wert auf die Qualität des Bildes bei der Auswahl gelegt wird.
Im vergleichbaren Projekt mit Kindern der 2. Klasse durften fast ausschließlich Gegenstände ausgestellt werden und die Qualität eines Fotos wurde hier weniger berücksichtigt.
Die Fotorallye war ein sehr schönes Projekt und hat allen Beteiligten großen Spaß gemacht. Es wurde auch deutlich, dass sehr unterschiedliche Betrachtungsweisen in Bezug auf das „Veröffentlichen privater Bilder“ existieren.
Martina Tuchbreiter, Gebundener Ganztag
